SCHUFA „Score-Werte“ vor dem EuGH

Kredit, Kreditwerbung
Die SCHUFA versorgt ihre Vertragspartner mit Informationen zur Kreditwürdigkeit Dritter und erstellt zu diesem Zweck sog. Score-Werte. | ©ferkelraggae/fotolia.com

Das Verwaltungsgericht Wiesbaden hat den EuGH um Klärung gebeten, ob die von der SCHUFA Holding AG erstellten Score-Werte den Vorgaben der DSG-VO entsprechen. Im Streitfall begehrt eine Klägerin die Löschung angeblich falscher Schufa-Einträge und Auskunft über die dort gespeicherten Daten.

Die SCHUFA, eine private Wirtschaftsauskunftei, versorgt ihre Vertragspartner mit Informationen zur Kreditwürdigkeit Dritter und erstellt zu diesem Zweck sog. Score-Werte. Für die Ermittlung dieses Wertes wird aus bestimmten Merkmalen einer Person auf der Grundlage mathematisch-statistischer Verfahren für diese die Wahrscheinlichkeit eines künftigen Verhaltens wie beispielsweise die Rückzahlung eines Kredits prognostiziert. Die im Einzelnen zugrunde gelegten Merkmale wie auch das mathematisch-statistische Verfahren werden von der SCHUFA nicht offengelegt.

Verstoßen Score-Werte gegen DSG-VO?

Das VG Wiesbaden hat nun mit Beschluss vom 01.10.2021 (6 K 788/20) den EuGH zur Klärung verschiedener Fragen in diesem Zusammenhang angerufen. Vor allem sei zu klären, ob die Tätigkeit von Wirtschaftsauskunfteien, Score-Werte über betroffene Personen zu erstellen und diese ohne weitergehende Empfehlung oder Bemerkung an Dritte zu übermitteln, die dann unter maßgeblicher Einbeziehung dieser Score-Werte mit der betroffenen Person vertragliche Beziehungen eingehen oder davon absehen, dem Anwendungsbereich des Art. 22 Abs. 1 DS-GVO unterfällt.

Verbot der automatisierten Einzelfallentscheidung

Falls ja, sei diese für Wirtschaftsauskunfteien maßgebliche Tätigkeit vom Verbot der automatisierten Einzelfallentscheidung erfasst. Dies hätte zur Folge, dass diese Tätigkeit nur nach den Ausnahmetatbeständen des Art. 22 Abs. 2 DS-GVO zulässig sei. Als diesbezügliche mitgliedsstaatliche Rechtsgrundlage käme nur § 31 BDSG in Betracht. Im Hinblick auf dessen Vereinbarkeit mit Art. 22 Abs. 1 DS-GVO bestünden aber durchgreifende Bedenken. Die SCHUFA würde dann rechtsgrundlos handeln, und die Klägerin habe zugleich einen Anspruch gegen den Datenschutzbeauftragten auf aufsichtsbehördliche (Weiter-)Befassung mit ihrem Fall.

Die Erstellung von Score-Werten sei nicht lediglich ein die Entscheidung des dritten Verantwortlichen (beispielsweise einer Bank) vorbereitendes Profiling (Art. 4 DS-GVO), sondern gerade eine selbstständige „Entscheidung“ im Sinne des Art. 22 Abs. 1 DS-GVO. Es bestünden gewichtige Anhaltspunkte dafür, dass die durch Wirtschaftsauskunfteien vorgenommene automatisierte Erstellung eines Score-Wertes eine eigenständige, auf einer automatisierten Verarbeitung beruhende Entscheidung sei. Diese Entscheidung werde praktisch aber in erheblichem Maße durch den von Wirtschaftsauskunfteien übermittelten Score-Wert bestimmt.

Der Vorlagebeschluss ist unanfechtbar.

(VG Wiesbaden, PM vom 25.10.2021 / Viola C. Didier, RES JURA Redaktionsbüro)


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