Preiseinbruch an den Rohstoffmärkten


Angeführt durch stark sinkende Ölpreise fiel der Index für Energierohstoffe um 10,7 Prozent (in Euro: -2,9 Prozent). | © Sergiy Serdyuk / fotolia.com

Der HWWI-Rohstoffpreisindex ist im Juli deutlich gesunken. Der Gesamtindex auf Dollar-Basis brach im Vergleich zum Vormonat um 9,1 Prozent (in Euro: -7,3 Prozent) ein. Der Index ohne Energie sank im Juli um 2,9 Prozent (in Euro: -1,0 Prozent) und markierte damit seinen tiefsten Stand seit über sechs Jahren.

Der Preisverfall an den Ölmärkten setzte sich im Juli weiter fort. Der Preis für Brent-Öl, die internationale Referenzsorte, fiel im Monatsdurchschnitt um 10,6 Prozent. Amerikanisches WTI-Öl notierte im Durchschnitt sogar um 14,0 Prozent geringer als im Vormonat, während der Preis für Öl aus dem Nahen Osten um durchschnittlich 11,2 Prozent zurückging. Rohöl notierte damit auf dem niedrigsten Stand seit vier Monaten. Im Juni letzten Jahres kostete ein Barrel Brent noch über 110 US-Dollar, bevor der Preis bis auf unter 50 US-Dollar pro Barrel im Januar einbrach. Von Januar bis Mai hatte sich der Brentpreis in Erwartung einer Marktkonsolidierung zwar kurzfristig auf fast 70 US-Dollar erholt, ist aber seitdem wieder auf Abwärtskurs. Von Mitte Mai an ist der Brentpreis um 22 Prozent gefallen.

Prognose: Sinkende bis stagnierende Preise

Der Ölmarkt ist derzeit durch ein ausgeprägtes Überschussangebot gekennzeichnet. Mehrere Faktoren begünstigen diesen Zustand: Zum einen produziert die OPEC aktuell nahe an Rekordfördermengen und liegt etwa 2 Mio. Barrel pro Tag über ihrer anvisierten Förderquote. Zum anderen verharrt die US-amerikanische Schieferölproduktion trotz der gesunken Preise und entgegen der Erwartungen vieler Marktteilnehmer weiterhin auf hohem Niveau. Zusätzlich sorgte die Einigung im Atomstreit mit dem Iran für preislichen Abwärtsdruck, denn mit dem Auslaufen der Sanktionen könnte der Iran in Zukunft wieder verstärkt Öl exportieren und das Überangebot verstärken. Die derzeitig gegebenen Fundamentalfaktoren lassen kurz- bis mittelfristig eher auf sinkende bis stagnierende Preise schließen, als auf ausgeprägte Preissignale nach oben.

Index für Industrierohstoffe: -5,7 Prozent

Die Industrierohstoffpreise sind im vergangenen Monat kräftig gefallen und folgten damit dem Abwärtstrend der letzten Monate. Der Index für Industrierohstoffe fiel auf einen 6-Jahres-Tiefstand. Angebotsüberhang und Bedenken bezüglich der chinesischen Wirtschaft ließen die Preise fallen. China ist verantwortlich für über 40 Prozent der weltweiten Nachfrage nach Industriemetallen; entsprechend reagierte der Markt sehr sensibel auf die neuerlichen Kursschwankungen am chinesischen Aktienmarkt sowie die eingetrübten Aussichten der chinesischen Konjunktur. Zwar wachsen die chinesische Wirtschaft und damit der Rohstoffverbrauch weiterhin, jedoch voraussichtlich nicht so stark wie sich das globale Angebot ausweitet. In den letzten Jahren wurde weltweit in viele neue Förderprojekte investiert, deren zusätzliche Produktion nun den Markt überversorgt. Kupfer verbilligte sich im Vormonatsvergleich um 6,5 Prozent, Aluminium fiel um 2,7 Prozent und der Nickelpreis gab um 10,9 Prozent nach. Der Preis für Eisenerz ging im Vergleich zum Juni gar um 18,0 Prozent auf durchschnittlich 51,10 US-Dollar pro Tonne zurück: Das ist der geringste Monatsdurchschnittspreis seit über 10 Jahren.

(HWWI / Viola C. Didier)


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