Mehr Investitionen, mehr Arbeitsplätze – Brexit-Effekt kaum zu spüren


Aus Investorensicht punktet der Standort Deutschland vor allem mit dem Qualifikationsniveau der Arbeitskräfte, der Verkehrsinfrastruktur sowie mit dem stabilen politischen und rechtlichen Umfeld. Etwa vier von fünf Managern bewerten diese Standortfaktoren hierzulande als insgesamt attraktiv. | ©Sondem/fotolia.com

Deutschland bleibt für ausländische Unternehmen beliebt: In einer weltweiten Befragung von 505 Unternehmen nannten 20 Prozent Deutschland als einen von drei Top-Investitionsstandorten weltweit.

Deutschland belegt den dritten Platz im weltweiten Image-Ranking. Vor Deutschland können sich im internationalen Standortranking nur China (37 Prozent) und die USA (33 Prozent) platzieren. Großbritannien und Frankreich belegen gemeinsam mit sieben Prozent der Nennungen den siebten Platz. Bei der Zahl der tatsächlich von ausländischen Unternehmen durchgeführten Investitionen hatte hingegen Großbritannien im vergangenen Jahr die Nase vorn – trotz Brexit-Votum im Juni: Die Zahl der Investitionsprojekte in Großbritannien stieg um sieben Prozent auf 1.144, während in Deutschland ein Anstieg um 12 Prozent auf 1.063 zu verzeichnen war. In beiden Ländern erreichte die Zahl der ausländischen Investitionen damit ein neues Rekordniveau.

Zahl der Investitionsprojekte in Deutschland auf Rekordniveau

Auch bei der Zahl der geschaffenen Arbeitsplätze liegt Großbritannien mit insgesamt gut 43.000 neuen Stellen europaweit vor Polen (gut 22.000) und Deutschland (knapp 20.000). Der Investitionsstandort Großbritannien profitiert vor allem von der Investitionsbereitschaft amerikanischer Unternehmen, die traditionell Großbritannien als europäisches Investitionsziel bevorzugen: 31 Prozent der Investitionen in Großbritannien gehen auf das Konto von US-Unternehmen – in Deutschland nur 18 Prozent. Für den Rest der Welt ist hingegen Deutschland das Top-Investitionsziel in Europa: Wenn US-Unternehmen als Investoren nicht berücksichtigt werden, kommt Deutschland im Jahr 2016 auf 869 Investitionsprojekte (15 Prozent mehr als im Vorjahr) und liegt damit vor Großbritannien mit 788 Investitionen (plus acht Prozent).

Deutsche Unternehmen schaffen fast 48.000 neue Arbeitsplätze in Europa

Deutsche Unternehmen spielen eine wichtige Rolle bei der Erholung des europäischen Arbeitsmarkts: Fast 48.000 neue Arbeitsplätze wurden im vergangenen Jahr von deutschen Unternehmen bei ihren Investitionsprojekten im europäischen Ausland geschaffen – umgekehrt haben Investitionen europäischer Unternehmen gerade einmal zu 8.000 neuen Stellen in Deutschland geführt. Das sind Ergebnisse einer Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young) zur Attraktivität des Wirtschaftsraums Europa und zu tatsächlichen Investitionsprojekten ausländischer Unternehmen in Europa.

Wird Deutschland Großbritannien ablösen?

„Das vergangene Jahr könnte einen Wendepunkt markieren: Großbritannien konnte zwar die Position als Top-Investitionsstandort Europas verteidigen, die Verfolger – vor allem Deutschland und Frankreich – kommen aber immer näher“, stellt Hubert Barth, Vorsitzender der Geschäftsführung von EY in Deutschland, fest. „Das Brexit-Votum vom Juni 2016 kann sich, wenn überhaupt, erst in der zweiten Jahreshälfte ausgewirkt haben. Zudem kam die Entscheidung für die meisten Unternehmen überraschend, und erst im Lauf der vergangenen Monate hat sich herauskristallisiert, dass Großbritannien einen harten Brexit anstrebt – mit entsprechend negativen Folgen für die Handelsbeziehungen. Darauf werden sich die Unternehmen nun einstellen. Es spricht daher viel dafür, dass Deutschland in diesem Jahr Großbritannien als Top-Investitionsziel Europas ablösen wird“.

(EY, PM vom 23.05.2017/ Viola C. Didier)


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