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Keine Umsatzsteuerbefreiung für förmliche Zustellung


Nach deutschem Umsatzsteuerrecht sind nur die unmittelbar dem Postwesen dienenden Umsätze der Deutschen Post AG steuerfrei. | © Jürgen Fälchle/fotolia.com

Das Finanzgericht Baden-Württemberg hat klargestellt, dass die Durchführung von Postzustellungsaufträgen nicht zu den so genannten Post-Universaldienstleistungen zählt und damit nicht nach europarechtlichen Vorgaben von der Umsatzsteuer befreit ist.

Geklagt hatte der Insolvenzverwalter über das Vermögen eines Holdingunternehmens, das durch verschiedene Organgesellschaften Postzustellungsaufträge im gesamten Bundesgebiet ausgeführt und sich dafür eines bundesweit strukturierten Zustellnetzes bedient hatte. Das Unternehmen hatte die Durchführung dieser förmlichen Zustellungen – die im  Auftrag von Behörden und Gerichten erfolgt waren und zum Nachweis des Zugangs der von ihnen versandten Schriftstücke bestimmt waren – als umsatzsteuerfrei angesehen. Das Finanzamt hatte dies anders gesehen und die Umsatzsteuer im Anschluss an eine Außenprüfung nachgefordert.

Eine Frage der Definition

Das Finanzgericht Baden-Württemberg hat sich der Auffassung des Finanzamts angeschlossen (Az. 9 K 403/12). Als nach deutschem Umsatzsteuerrecht steuerfrei hat es nur die unmittelbar dem Postwesen dienenden Umsätze der Deutschen Post AG angesehen. Die Holding konnte sich nach Ansicht der Richter auch nicht auf vorrangig anzuwendendes Europarecht berufen, weil die von ihr erbrachten förmlichen Zustellungen nicht zu den Post-Universaldienstleistungen zählten. In der Systematik des Postgesetzes werde nämlich zwischen „Universaldienstleistungen“ einerseits und „Förmlichen Zustellungen nach öffentlich-rechtlichen Vorschriften“ andererseits unterschieden.

Postzustellungsauftrag hat den Charakter eines Hoheitsakts

Auch europarechtlich werde in der Post-Richtlinie lediglich ein Mindestmaß an Universaldienstleistungen definiert und der Postzustellungsauftrag nicht erwähnt. Von der Universaldienstleistung der Einschreibsendung unterscheide sich der Postzustellungsauftrag in wesentlichen Punkten, da er den Charakter eines Hoheitsakts habe, bei dem die Beförderung nur eines von mehreren Dienstleistungselementen darstelle, und da er gerade nicht der Allgemeinheit, sondern nur – im Interesse einer funktionierenden Rechtspflege – Behörden und Gerichten zur Verfügung stehe.

Gegen das die Klage abweisende Urteil ist Revision eingelegt worden (Az. des BFH: V R 30/15)

(FG Baden-Württemberg, NL vom 01.03.2016/ Viola C. Didier)


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