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Digitalisierung gegen den Arbeitskräftemangel?


Zahlreiche Unternehmen reagieren zurückhaltend bis ablehnend, wenn sie auf ihre Strategien in einer digitalisierten Welt angesprochen werden - auch wenn bereits viele Firmen an einer veränderten Ausrichtung arbeiten. | © kebox/fotolia.com

Eine aktuelle Studie von PwC und WifOR-Institut zeigt die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeitswelt in Deutschland und prognostiziert, dass die Digitalisierung den Arbeitskräftemangel im Jahr 2030 spürbar reduzieren könnte.

Die Digitalisierung ist kein „Jobkiller“ – durch sie verringert sich der erwartete Engpass von 4,2 Millionen Arbeitskräften in Deutschland bis 2030 um die Hälfte. Dies ist eines der Ergebnisse einer aktuellen Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC und des WifOR-Instituts in Darmstadt. Mit der Studie, deren Detaillierungsgrad deutlich über bisherige Arbeiten zu diesem Thema hinausgeht, will PwC dazu beitragen, die häufig sehr emotional geführte Debatte zu den Auswirkungen der vierten industriellen Revolution auf den Arbeitsmarkt zu versachlichen.

Neuer Forschungs-Ansatz ermöglicht konkrete Prognosen

Einer der Gründe für diese diffuse bis negative Haltung ist aus Sicht von PwC die Tatsache, dass es bisher noch wenig konkrete Prognosen zu den Auswirkungen der Digitalisierung gibt, besonders im Hinblick auf die große Gruppe der Arbeitnehmer. Bestehende Modelle betrachten die Auswirkungen der Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt häufig als isoliertes Phänomen oder reduzieren das Kernergebnis auf die Zahl, wie viele Arbeitsplätze voraussichtlich verloren gehen werden. Die nunmehr vorgelegte Studie von PwC und WifOR setzt an dieser Problematik an. Die Ergebnisse basieren auf einem neu entwickelten Modell, anhand dessen die Wirkung der Digitalisierung auf die Arbeitskräftenachfrage aufgezeigt werden kann. So ergibt sich quantifizierbarer Digitalisierungseffekt für die wichtigsten Berufsgruppen, der positiv oder negativ ausfallen kann.

MINT-Fächer spielen immer größere Rolle

So zeigt die Studie, dass bis zum Jahr 2030 rund 300.000 zusätzliche Arbeitskräfte in der Gesundheits- und Pharmabranche benötigt werden. Um 190.000 Erwerbstätige steigt der Bedarf des öffentlichen Sektors. Besonders auf Akademikerberufe wirkt sich die Digitalisierung aus: 2 Millionen Hochschulabsolventen werden bis 2030 zusätzlich fehlen, mit einem Schwerpunkt auf den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik). Rückläufig sind die Prognosen dagegen im Handel: Um 940.000 wird die Nachfrage nach Verkaufskräften als Folge der Digitalisierung bis 2030 sinken.

Rückgang der Arbeitskräftenachfrage in der Transportbranche

Der höchste Anstieg der Nachfrage nach Arbeitskräften durch die Digitalisierung wird mit 11 Prozent für die Branche „Technologie, Medien und Telekommunikation“ erwartet. Um 6 Prozent wird die Digitalisierung die Nachfrage nach Arbeitskräften in der Branche „Gesundheit/Pharma“ bis zum Jahr 2030 steigern, um 2 Prozent im Öffentlichen Sektor. In der Energiebranche wird die Nachfrage nach Arbeitskräften durch die Digitalisierung um 1 Prozent sinken, in der Automobilbranche um 6 Prozent. Auf den Plätzen folgen die Branchen „Industrielle Produktion“ mit einem Rückgang von 9 Prozent, das Banken- und Versicherungswesen mit 10 Prozent und der Handel mit einem Rückgang von 17 Prozent. Für die Branche „Transport und Logistik“ prognostiziert die Studie einen Rückgang der Arbeitskräftenachfrage um 19 Prozent.

(PwC, PM vom 13.03.2016 / Viola C. Didier)


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