CMS Compliance-Barometer 2015: Professionalisierung noch ausbaufähig


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In noch nicht allen großen deutschen Unternehmen ist das Thema Compliance ausreichend professionalisiert. Mit ihrer branchenübergreifenden Studie „CMS Compliance-Barometer“ hat die Wirtschaftskanzlei CMS Deutschland zwar festgestellt, dass Compliance mittlerweile immer fester in Unternehmen verankert ist – dennoch besteht weiterhin Verbesserungsbedarf.

Nahezu die Hälfte der großen Unternehmen hat in den vergangenen Jahren die personellen und finanziellen Compliance-Ressourcen erhöht. Dennoch fühlen sich nur 42 Prozent der Befragten gut ausgestattet. Vielfach kommen die Compliance-Verantwortlichen aus verschiedenen Unternehmensbereichen: Meistens sind diese in der Rechtsabteilung, dem Controlling, dem Risikomanagement oder der Revision angesiedelt. In der Mehrheit der Unternehmen sind ein bis vier Mitarbeiter mit Compliance-Aufgaben betraut.

Defizite im Organisationsgrad

Dabei ist für viele Mitarbeiter Compliance nach wie vor nicht die Hauptaufgabe: Nicht einmal ein Drittel der befragten Unternehmen hat eine eigenständige Compliance-Abteilung eingerichtet. In fast einem Drittel der Unternehmen üben Mitarbeiter aus Vertrieb und Einkauf sogar selbst Compliance-Funktionen aus. „Hier können Haftungsrisiken drohen, wenn operatives Risikogeschäft und Compliance-Verantwortlichkeiten nicht klar getrennt voneinander gemanagt werden“, erläutert Dr. Tobias Teicke, Compliance-Experte am Berliner CMS-Standort. Ein Defizit zeigen viele Unternehmen bei der Ausnutzung bereits bestehender Ressourcen: In etwa jedem zweiten Unternehmen werden bestehende Abteilungen nicht optimal miteinander verzahnt. Weit verbreitet ist dagegen die Praxis, extern fachliche Unterstützung einzuholen – je nach Compliance-Thema liegt die Beratungsquote bei bis zu 80 Prozent.

Überraschende Risikoeinschätzung

Überraschend ist, dass nach Einschätzung vieler mittelständischer Unternehmen (500 bis 999 Mitarbeiter) kartellrechtliche Fragen und Korruption als Compliance-Themen eine eher untergeordnete Rolle spielen, wohingegen der Datenschutz hier als größtes Compliance-Risiko gesehen wird. In Großkonzernen werden hingegen Korruptions- und Kartellverstöße und die damit verbundenen hohen Bußgelder als größte Risiken eingeschätzt. „Dies spiegelt die bei gerade mittelständischen Unternehmen immer noch weit verbreitete Auffassung wider, Korruption käme dort nicht vor“, so Florian Block, Compliance-Experte am Münchener CMS-Standort.

Zunehmende Compliance-Anforderungen

Der Druck auf die Unternehmen steigt: Als größte künftige Herausforderungen gelten bei den Studienteilnehmern ein stetig verschärfter Haftungsmaßstab aufgrund der zunehmenden Regulierung der Gesetzgeber und strengeren Praxis von Behörden und Rechtsprechung. Allerdings üben nicht nur staatliche Stellen Druck aus: Die Hälfte der Unternehmen hält es für wichtig, gegenüber Geschäftspartnern ein eigenes Compliance-System nachweisen zu können.

Handlungsbedarf bei Compliance-Kultur und Risikovorsorge

In vielen Unternehmen ist mittlerweile angekommen, dass der eigenen Compliance-Kultur entscheidende Bedeutung zukommt. Dementsprechend sehen es fast drei Viertel der Befragten als größte interne Herausforderung an, bei Mitarbeitern wie bei der Unternehmensleitung ein echtes Bewusstsein und eine Akzeptanz für die Thematik zu etablieren. Dem Management bescheinigen 88 Prozent, den Mitarbeitern dagegen nur ein Drittel der Befragten ein hohes Compliance-Bewusstsein. Während fast alle Unternehmen (94 Prozent) mittlerweile über ein Standardrepertoire an Compliance-Instrumenten verfügen, so existiert doch nur bei der Hälfte der Befragten einer der wichtigsten Compliance-Bausteine: Ein Schulungsprogramm zur Vermittlung von Verhaltensanforderungen.

Für die Studie sind Compliance-Verantwortliche aus 175 großen Unternehmen (mindestens 500 Mitarbeiter) anonym und repräsentativ vom renommierten Marktforschungsinstitut Ipsos befragt worden.

(CMS Hasche Sigle / Viola C. Didier)


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