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        Für eine Kanzlei von morgen – „Steuerberatung 2020“

        StB/WP Dr. Horst Vinken, Präsident der Bundessteuerberaterkammer

        StB/WP Dr. Horst Vinken, Präsident der Bundessteuerberaterkammer

        Wer in der Steuerberatung tätig ist, weiß: Es ist ein attraktives und zukunftsorientiertes Tätigkeitsfeld. Denken wir aber heute über die Zukunft unseres Berufes nach, dann müssen wir uns mit zwei zentralen Themen auseinandersetzen. Das ist zum einen der demografische Wandel und zum anderen der Bereich der Digitalisierung.

        Herausforderungen

        Die Folgen des demografischen Wandels spüren auch die Steuerberaterkanzleien. Im Jahre 2000 freuten wir uns noch über 23.000 Auszubildende, im Jahr 2014 gab es nur noch knapp 18.500 Jugendliche, die sich für den Beruf des Steuerfachangestellten entschieden. Sicher klagen auch andere Berufsgruppen über die Folgen abnehmender Geburtenjahrgänge, aber der steuerberatende Beruf kämpft im Wettbewerb um die besten Nachwuchsköpfe zusätzlich gegen seinen geringen Bekanntheitsgrad bei Jugendlichen an. Nach einer von der Bundessteuerberaterkammer (BStBK) in Auftrag gegebenen forsa-Umfrage könnten aktuell nur 6% der befragten Jugendlichen einer Ausbildung zum Steuerfachangestellten etwas abgewinnen.

        Neben diesem Nachwuchsmangel stellt die zunehmende Digitalisierung viele Kanzleien vor neue Herausforderungen. Ständig lesen wir in der Zeitung von neuen technischen Errungenschaften. Google Glass, i-watch, smart home sogar selbstfahrende Autos soll es bald geben. Dieser Trend macht auch vor den Steuerberatungskanzleien nicht halt. Bereits heute bestimmen E-Bilanz, ELSTER, vorausgefüllte Steuererklärung und die Vollmachtsdatenbank unseren Arbeitsalltag – mit zunehmender Tendenz.

        Strategische und berufspolitische Ziele

        Vor dem Hintergrund dieser bevorstehenden Veränderungen wollen wir unsere Mitglieder fit für die Zukunft machen. Konkret planen wir mit unserem Projekt „Steuerberatung 2020“ die Kanzleiinhaber auf den Wettbewerb um Mandanten und um leistungsfähigen Nachwuchs vorzubereiten. Die Experten sind sich einig, dass nur diejenigen Kanzleien auf Dauer erfolgreich sein werden, die als attraktiver Problemlöser und Arbeitgeber überzeugen können.

        Aber wie kann das gelingen? Die BStBK organisierte zwei Workshops („Wettbewerb um Mitarbeiter – Steuerberater als attraktive Arbeitgeber“ und „Wettbewerb um Mandanten – Steuerberater als attraktive Problemlöser), in denen die verabschiedeten „Sieben Thesen zur Zukunft des Berufs“ diskutiert wurden. Der BStBK-Ausschuss „Zukunftsentwicklung des Berufs“ hat die Ergebnisse der beiden Workshops aufbereitet. Diese Ergebnisse werden dem Berufsstand mit der aktuellen Broschüre „Steuerberatung 2020 – Veränderungsnotwendigkeit, Veränderungsmöglichkeiten, Handlungsfelder“ zur Verfügung gestellt.

        Das Rüstzeug

        Ein Kanzleiinhaber, der bereits mit den ersten Veränderungsschritten beginnen möchte, sollte zunächst einmal prüfen, ob seine Kanzlei (noch) die heutigen Mindestanforderungen erfüllt. Diese Anforderungen, wie z. B. verbesserte Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter, ein professionelles Erscheinungsbild, klares Dienstleistungsportfolio mit optimierten Kernkompetenzen sind elementar, um den heutigen und zukünftigen Herausforderungen erfolgreich zu begegnen.

        Erst in einem zweiten Schritt sollten sich Kanzleiinhaber Gedanken über die zukünftige Ausrichtung ihrer Kanzlei machen. Beispielhaft haben wir in der Dokumentation Musterentwicklungswege für sechs verschiedene Kanzleitypen aufgezeigt. Welchen Weg die Kanzlei dann tatsächlich beschreiten wird und kann, hängt von einer ganzen Reihe von Faktoren wie bspw. dem Standort, dem Mandantenstamm und den Mitarbeitern ab. Dazu wurde eine Matrix entwickelt, die darstellt, welche Kanzleitypen welche Aufgaben in welcher Zeit realisieren könnten.

        Für die Kanzleien ergeben sich daraus neun konkrete Handlungsfelder: Neben einer präzisen Standortbestimmung, gilt es kritisch zu überprüfen, ob der strategischen Personalgewinnung und der Mitarbeiterführung ausreichend Stellenwert im Kanzleialltag zukommen. Weiter benötigen die Kanzleien aktives Marketing und Akquisition. Es gilt bei den Mandanten den Wunsch und den Bedarf zu wecken, sachkundig beraten zu werden. Weitere Handlungsfelder sind u.a. Digitalisierung der Geschäftsprozesse, Ausbau der vereinbaren Tätigkeiten, zielgruppenspezifische Beratungskonzepte.

        Aber nicht nur die Kanzleien bekommen Handlungsfelder benannt. Auch die BStBK und die 21 regionalen Kammern liefern weiter ihren Beitrag für die Zukunftsfähigkeit des steuerberatenden Berufs. Ein wichtiges Handlungsfeld ist die Unterstützung der Mitglieder bei der Nachwuchsgewinnung. Einen Beitrag dazu liefert unsere Nachwuchskampagne „Mehr als du denkst“. Auf der überarbeiteten Kampagnenseite www.mehr-als-du-denkst.de finden Interessierte umfangreiche Informationen zu dem Ausbildungsberuf sowie die bundesweite Azubibörse unseres Berufsstandes.

        Abschließend sei festgehalten: Um das hohe Niveau in der Steuerberatung erhalten zu können und auch weiter ein prosperierender Berufsstand zu sein, müssen wir uns besser heute als morgen mit den Herausforderungen der Zukunft beschäftigen und bestmögliche Vorsorge treffen. Daher gilt der Appell an jeden einzelnen Steuerberater, bereits heute für morgen vorzusorgen und sich mit den in der Dokumentation „Steuerberatung 2020 – Veränderungsnotwendigkeit, Veränderungsmöglichkeiten und Handlungsmöglichkeiten“ aufgelisteten Handlungsfeldern ausführlich zu beschäftigen um seine Kanzlei fit für die Zukunft zu machen.

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