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Auf dem Gipfel angekommen

Der amerikanische Politologe Samuel Huntington prägte vor mehr als einer Dekade den Begriff "Davos Man". Für ihn stand das Treffen der globalen Wirtschaftselite für die Abkehr vom Nationalstaat. In die kleine Stadt in der Schweiz pilgerte eine homogene Gruppe von gut gebildeten, weißen Männern, für die nationale Grenzen Hindernisse sind und Regierungen weitgehend überflüssig, außer wenn sie mit Hilfe von Polizisten für die Sicherheit während des Weltwirtschaftsforums sorgen. Doch dieses Jahr markiert den Start einer neuen Generation. Xi Jinping betritt am Dienstag zum Auftakt des Forums als erster Präsident Chinas die Bühne. In einer Grundsatzrede will er seine Strategie für die Entwicklung der globalen Wirtschaftsordnung präsentieren. Xi, 63 Jahre alt, steht für das Gegenmodell zu Huntingtons Davos-Männern. Er ist ein überzeugter Nationalpolitiker. In den vier Jahren an der Staatsspitze Chinas hat er mehr Macht auf sich vereint als seine Vorgänger. Und Xis China steht für ein anderes

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Übernehmer als Unternehmer

Manuel Hein, 26, will ein mittelständisches Unternehmen kaufen. Einen Übernahmekandidaten hat er noch nicht. Geld hat er auch nicht. Aber Unternehmer sein, das sei schon immer sein Berufswunsch gewesen, sagt er. Hein hat Maschinenbau und Produktionstechnik studiert, eine Weile bei Mercedes Benz gearbeitet und seinen MBA an der Columbia University in New York gemacht. Eine Konzernkarriere schließt er aus. Zum Gründen fühlt sich Hein aber auch nicht gerade berufen. Er hat es probiert. Er sagt, er sei nicht der Typ, der eine Idee von null auf hundert bringt. Seine Fähigkeiten lägen darin, eine große Idee richtig groß zu machen. "Solche Ideen gibt es im Mittelstand, der ist ein unheimlicher Innovationsmotor", sagt Hein. Investoren wie Jürgen Rilling, 48, Finanzinvestor bei Mirablau, helfen Hein dabei. Mehrere von ihnen haben insgesamt 360 000 Euro in einen Fonds für den jungen Mann investiert. Mit dem Geld kann Hein zwei bis drei Jahre lang in Ruhe nach einem geeigneten Unternehmen suchen.

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Land des Schweigens

Das Hauptquartier der Koc-Holding, ein Ensemble osmanischer Herrenhäuser am asiatischen Ufer des Bosporus, und die Zwillingstürme der Sabanci-Holding im Finanzviertel Levent im europäischen Teil Istanbuls sind die ersten Adressen der türkischen Wirtschaft. Jeder Türke kennt die Namen der beiden Dynastien, die gemeinsam fast 15 Prozent des türkischen Bruttoinlandsprodukts erwirtschaften. Über Politik oder gar Staatschef Recep Tayyip Erdogan wollen aber weder Ömer Koc sprechen, der Präsident der Koc-Gruppe, noch Güler Sabanci, die das Sabanci-Konglomerat führt. Wer unter Istanbuls Unternehmern politische Statements einzuholen versucht, erlebt die Türkei als ein Land des Schweigens. Wie riskant es sein kann, sich politisch zu exponieren, erfuhr man bei Koc im Sommer 2013. Als die Polizei die Massenproteste auf dem Istanbuler Taksim-Platz blutig niederschlug, flüchteten verletzte Demonstranten in die Lobby des Divan-Hotels, das zur Koc-Holding gehört. "Wir wissen, welche Hotelbesitzer den

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Marx und Engels locken Touristen

Kölner Dom, Schloss Neuschwanstein und das Brandenburger Tor nannten chinesische Touristen bislang, wenn es um ihre Traumziele in Deutschland ging. Doch die Attraktionen haben sich seit kurzem zweier aufstrebender Konkurrenten zu erwehren: Wuppertal und Trier. Die Stadthalle von Wuppertal war sogar schon einmal Drehort einer chinesischer TV-Castingshows - mit jeweils über 300 Millionen Zuschauern im entfernten Heimatland. Doch nicht Porta Nigra oder Schwebebahn ziehen die Chinesen an. Es sind die Geburtshäuser der kommunistischen Vordenker Karl Marx und Friedrich Engels. Wuppertal erhielt Mitte 2014 von der Volksrepublik eine Engels-Statue geschenkt, in Trier folgt voraussichtlich 2018 ein 6,30 Meter in den Himmel ragendes Marx-Monument "Roten Tourismus" nennt Zhang Guangrui, Direktor an der Pekinger Chinese Academy of Social Sciences, den neuen Spleen seiner Landsleute. Und spricht von einem enormen Wachstumsgeschäft. Zugpferde sind Stätten kommunistischer Vergangenheit. Schon 2015 zählte

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Das Versagen der Manager-Elite

Wenn sich ab morgen die Manager-Elite zum Weltwirtschaftsforum im idyllischen Davos trifft, stehen die großen Themen der Zeit auf der Agenda. Die Folgen des Brexits, die Veränderungen von Wirtschaft und Gesellschaft durch die Digitalisierung, die geopolitischen Krisen in Syrien, der Ukraine und in der Türkei sowie der bedrohliche Aufstieg der Populisten. Und nach einer Woche werden die Manager der Weltkonzerne Davos mit dem guten Gefühl wieder verlassen, viel diskutiert, gelernt und viele neue Kontakte geknüpft zu haben. Doch das reicht nicht. In einer Welt der Unordnung und Umbrüche sind Manager mit Haltung gefragt, die sich einmischen, die Farbe bekennen, die die Ängste der Mitarbeiter vor den Auswirkungen von Globalisierung und Digitalisierung ernst nehmen, nach Lösungen suchen und sich bei politischen Debatten nicht wegducken in der Hoffnung, die Regierungen werden es schon irgendwie richten. Wer ein Unternehmen, egal, mit wie vielen Mitarbeitern, führt, hat auch eine gesellschaftliche

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Ungleichheit wächst

Sie heißen Bill Gates und Amancio Ortega, Warren Buffett und Carlos Slim Helu - und zählen zu den reichsten Menschen der Welt. In den Unternehmen, die sie oftmals selbst gegründet haben, steckt ihr Reichtum. Allein bei Gates und seinem Konzern Microsoft sind es 75 Milliarden Dollar, Amancio Ortega kommt mit seinem Anteil an der Textilgruppe Inditex immerhin noch auf 67 Milliarden Dollar, wie der "Forbes"-Liste der Superreichen zu entnehmen ist. Zählt man Jeff Bezos (Amazon), Mark Zuckerberg (Facebook), Larry Ellison (Oracle) und Michael Bloomberg (Bloomberg) noch dazu, dann besaßen die acht reichsten Männer der Welt im vergangenen Jahr ein Vermögen von zusammen 426 Milliarden Dollar. Ihr Reichtum ist größer als alles, was die gesamte ärmere Hälfte der Weltbevölkerung besitzt. 3,6 Milliarden Menschen kämen zusammen nur auf 409 Milliarden Dollar, prangert die internationale Entwicklungshilfeorganisation Oxfam an. Sie fordert im Bericht "An Economy for the 99 Percent" deshalb einen weltweiten

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Auf der Suche nach der Wahrheit

Der Untersuchungsausschuss des Bundestags zum VW-Dieselskandal steuert auf einen Höhepunkt zu: Am Donnerstag nächster Woche tritt dort der Ex-Volkswagen-Chef Martin Winterkorn auf. Sein Kommen hat er am Mittwoch zugesagt, wie der Ausschussvorsitzende Herbert Behrens (Linke) dem Handelsblatt bestätigte. Es ist Winterkorns erster größerer öffentlicher Auftritt seit seinem Rücktritt im September 2015. Damals hatte er eigene Fehler abgestritten. "Ich tue dies im Interesse des Unternehmens, obwohl ich mir keines Fehlverhaltens bewusst bin", sagte er. Längst gibt es aber klare Hinweise darauf, dass Winterkorn bereits am 27. Juli 2015 über die Abgasaffäre informiert wurde. Dazu wollen ihn nun auch die Parlamentarier befragen. Nach der Festnahme eines VW-Managers in den USA sei offenkundig, dass es Informationswege gab. "Da muss Herr Winterkorn erklären, warum er auch davon nichts wusste", sagte Behrens. "Wir erhoffen uns Erklärungen, wie das Betrugssystem im Wechselspiel mit der nicht vorhandenen

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Biotech-Investoren verteilen Geld breiter

An das Rekordjahr 2015 reicht die deutsche Biotech-Branche in puncto Finanzierung im vergangenen Jahr nicht heran: Mit insgesamt 506 Millionen Euro flossen den Firmen 2016 neun Prozent weniger Kapital zu als noch im Jahr zuvor. Das liegt maßgeblich am Gates-Effekt: Weil die Bill und Melinda Gates Stiftung im Jahr 2015 sich mit der Rekordsumme von 167 Millionen Euro beim Tübinger Biotechunternehmen Curevac beteiligt hat, ist die Statistik beim Wagniskapital etwas verzerrt. Das zeigen Zahlen der Biocom AG und des Verbandes Bio Deutschland, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegen. Bei den Kapitalerhöhungen über die Börse wurde mit insgesamt 258 Millionen Euro der höchste Stand seit 201O erreicht. Hier führt Morphosys aus Martinsried, Spezialist für Antikörper, mit einer Kapitalerhöhung von 115 Millionen Euro die Liste mit Abstand an. Aber auch einige andere Firmen konnten sich frisches Geld im zweistelligen Millionenbereich sichern: Probiodrug aus Halle etwa, das an einem Medikament gegen

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Grund zum Optimismus

Vor einem Jahr ist die deutsche Biotechbranche bester Stimmung in das Jahr 2016 gestartet. Gestützt von einem Rekord bei der Finanzierung, war die gute Laune berechtigt: Zum ersten Mal seit einer Dekade schaffte es Anfang des Jahres wieder ein Biotechunternehmen an die Deutsche Börse in Frankfurt - die Firma Brain. Zehn Jahre nachdem die Branche nach einigen Flops in der Medikamentenentwicklung an der Börse massiv abgestraft worden war, keimte die Hoffnung, dass Biotech in Deutschland am Kapitalmarkt wieder eine Erfolgsstory werden könnte. Anfang 2017 ist bei den Unternehmen wieder etwas Ernüchterung eingekehrt, wie das nun vorliegende Stimmungsbarometer zeigt. Und in der Tat zeigen auch die Finanzierungszahlen ein gemischtes Bild: Das eingeworbene Kapital über Börsengänge im In- und Ausland ging 2016 zurück, ebenso das Wagniskapital. Positiv kann die Branche dagegen verbuchen, dass das Volumen bei Kapitalerhöhungen auf den höchsten Stand seit 2010 stieg. Aber diese Zahlen bilden eben

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Gips global

Langsam fährt der Finger über die Welt. Australien - seit 2011 kein weißer Fleck mehr. Der letzte Kontinent, der mit eigenen Betrieben besetzt wurde. Der Finger wandert nach Norden und westwärts. Hier China, man ist seit vielen Jahren in der Volksrepublik. Hier Haiphong in Vietnam: Ein großes Werk wurde gerade gebaut. Hier Indien, gut, da fehlt noch eine Produktionsstätte. Aber sonst? Der Finger ist jetzt in Afrika. Bei Daressalam in Tansania oder im ägyptischen Suez, überall Präsenz, oder in Marokko, natürlich auch in Russland und Osteuropa oder in Nord- und Südamerika. Der Finger von Baldwin Knauf, 77, kommt zur Ruhe. Der Senior hat Schleifen der Globalisierung nachgezogen. Schleifen, die das eigene Unternehmen größer und größer machten. Schleifen, die Weltregionen zum Knauf-Land machten, zu Stationen eines Verbunds, der mit Gips zum Global Player wurde. "Wir suchen nicht die Herausforderung, aber wenn sie kommt, nehmen wir sie an", sagt der Gesellschafter in der Firmenzentrale im unterfränkischen

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