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Zweiter Anlauf aufs Parkett

Von Halbleitern erzählt Rudi De Winter mit einer Begeisterung, die andere Männer allenfalls für ihren neuen Porsche aufbringen. "Es ist unglaublich, was in der Medizin mit modernen Chips alles möglich ist", unterstreicht der Chef des Erfurter Halbleiterkonzerns X-Fab. "Denken Sie nur an die neuen Diagnosetechniken für Krebs." Anbieter von Medizintechnik gehören zu De Winters wichtigsten Kunden. Mehr noch, bei ihnen sieht er in den nächsten Jahren ein riesiges Potenzial. Um all die Aufträge abarbeiten zu können, muss der 55-Jährige seine sechs Fabriken allerdings zügig ausbauen. Das nötige Geld beschafft sich der Belgier jetzt über einen Börsengang von X-Fab. Es ist nicht das erste Mal, dass De Winter aufs Parkett strebt. Schon 2004 wollte X-Fab Millionen von Anlegern einsammeln. Der Versuch misslang, potenzielle Investoren beklagten sich damals bitterlich über eine dilettantische Kommunikation. Der Emissionsprospekt wurde nicht rechtzeitig fertig, der Preis erschien den Anlegern zu hoch.

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Angst vor einer Zergliederung

Die Vertragsverlängerung für Siemens-Chef Joe Kaeser, die frühestens im Sommer möglich ist, gilt derzeit in München eher als Formsache. Die Gewinne des Technologiekonzerns steigen, der Aktienkurs ist nahe am Höchststand. Kaeser kann laut Angaben aus dem Aufsichtsratsumfeld mit breiter Unterstützung rechnen. Und doch wächst vor allem bei den Arbeitnehmervertretern das Unbehagen. Kürzlich hatte das Handelsblatt darüber berichtet, dass Kaeser nach Einschätzung von Insidern und Investoren den Konzern in Richtung einer Holding entwickelt. In einer Information für Vertrauensleute und Betriebsräte nehmen die Arbeitnehmervertreter nun auf diesen Bericht Bezug. "Den Konzern weiter zu zergliedern würde die Marke Siemens und das Unternehmen gefährden", schreibt die Gesamtbetriebsratsvorsitzende Birgit Steinborn, die auch stellvertretende Vorsitzende des Siemens-Aufsichtsrats ist. Der Konzern brauche langfristige Perspektiven und dürfe nicht "den Launen der Kapitalmärkte nachgeben". Gerade weil

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Verspieltes Vertrauen

Für Dieter Zetsche steht außer Frage, dass Daimler ein außergewöhnliches Unternehmen ist - und zwar außergewöhnlich gesetzestreu. Daimler habe im Unternehmen Compliance-Regeln und eine Kultur der Integrität implementiert, die es unwahrscheinlich machen würden, dass es etwas Vergleichbares geben könne, erklärte der Daimler-Chef Anfang 2016 selbstbewusst, als er zum Dieselskandal bei VW befragt wurde. Angesichts des möglichen Imageschadens, wie ihn VW erlitten habe, gebe es zu derart umfassenden Regeln auch keine Alternative, gab Zetsche zu Protokoll. "Bei uns wird nicht betrogen, bei uns wurden keine Abgaswerte manipuliert", sagte der Konzernchef klar und unmissverständlich. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Stuttgart ein förmliches Ermittlungsverfahren eingeleitet wegen des Verdachts des Betrugs und der strafbaren Werbung. Im Visier haben die Beamten bereits einige namentlich benannte Daimler-Manager. Es gilt natürlich die Unschuldsvermutung, doch es deutet einiges darauf hin, dass Daimler

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Voll ins Risiko

Wer hierzulande eine hochwertige Wohnimmobilie sucht, stößt fast zwangsläufig auf Engel & Völkers (E & V). Das Maklerunternehmen ist daher vielen Deutschen als einer der renommiertesten bankenunabhängigen Immobilienvermittler ein Begriff. Dass jetzt ein so bekannter Name ins Geschäft mit kleinem Privatgeld für große Immobilienprojekte einsteigt, ist ein Paukenschlag. Damit tritt das sogenannte Crowdinvesting für Immobilien aus seinem Nischendasein heraus. Sicherer wird die Anlegerform für Kleinanleger damit aber nicht. Immer mehr Privatpersonen interessieren sich für die Onlineplattformen, die Geld beim Investoren-Schwarm einwerben und dann an Bauträger vergeben. Rund 40 Millionen Euro sammelte diese noch junge Branche 2016 ein und verdoppelte damit ihren Umsatz gegenüber dem Vorjahr. Im laufenden Jahr geht es noch rasanter weiter: In den ersten beiden Monaten wurde bereits die Hälfte des Vorjahresvolumens erreicht. "Crowdinvesting für Immobilien ist der Wachstumstreiber im deutschen Crowdinvesting-Markt",

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Bundesweite schwarze Liste kommt

Im Eiltempo bringt die Große Koalition noch ein Anliegen durch, über das bereits seit Jahren diskutiert wird: eine bundesweite schwarze Liste, auf der all jene Unternehmen aufgeführt werden sollen, die von der öffentlichen Auftragsvergabe ausgeschlossen sind, etwa weil sie bestochen oder Steuern hinterzogen haben. Das Gesetz sieht vor, dass alle öffentlichen Stellen eine Abfrage machen müssen, bevor sie einen Auftrag vergeben. Wie das Handelsblatt aus Koalitionskreisen erfuhr, haben sich Union und SPD nun grundsätzlich darauf geeinigt, dass ein solches Register eingeführt wird. Die einzige Änderung am Entwurf von Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD), auf die man sich zwischen den Regierungsparteien noch verständigt hat, ist die Zuständigkeit für die Pflege der Liste. Statt der SPD, die sich das Bundesamt für Ausfuhrkontrolle (BAFA) gewünscht hatte, soll sich demnach die Union mit ihrer Forderung durchgesetzt haben, dass diese Aufgabe künftig vom Bundeskartellamt übernommen

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Kann Lutz auch Chef?

Der Start ist für Richard Lutz nicht einfach. Er gilt als Zahlenfuchs, als einer, der sich nach mehr als 20 Jahren in jedem Winkel des Staatskonzerns Bahn auskennt. Das qualifiziert ihn zum Chef des Unternehmens, sagt der Verkehrsminister. Skeptiker halten Lutz dagegen nur für einen Verlegenheitskandidaten. Und sie bezweifeln, dass er auch Chef kann. Immerhin war sich der Aufsichtsrat einig, den Betriebswirten zum neuen Chef des Staatsunternehmens zu machen. Was nach den Erfahrungen mit seinem Vorgänger Rüdiger Grube nicht selbstverständlich war. Der hatte während einer Aufsichtsratssitzung Ende Januar seinen Job hingeschmissen, weil in dem Gremium unerwartet Gesprächsbedarf über seine verabredete Vertragsverlängerung bestand. Der Blick nach vorn könnte natürlich jetzt so aussehen: Verkehrsminister drückt Kandidaten durch, der lediglich dem politischen Frieden zwischen den Koalitionspartnern SPD und Union dient, Aufsichtsrat muss absegnen. Auch die Ansage des Eigentümers der Bahn, dass

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Anonyme Briefe und Fotos

Im Machtkampf um den hessischen Arzneimittelhersteller Stada wurde Vorstandschef Matthias Wiedenfels im vergangenen Jahr offenbar ausgespäht. Das geht aus einem internen Brief an die Mitarbeiter hervor, wie das Handelsblatt aus dem Umfeld des Unternehmens erfuhr. Wiedenfels habe im vergangenen Jahr anonyme Briefe und Fotografien erhalten, heißt es in der Mitteilung, ebenso sei eine potenzielle Abhöreinrichtung gefunden worden. Einen Erpressungsversuch habe es jedoch nicht gegeben, heißt es weiter. Gemeinsam mit einem Sicherheitsunternehmen seien diese Aktivitäten unterbunden worden. Zuerst hatte das "Manager-Magazin" am Donnerstag über die Vorfälle berichtet. Offiziell gab es von Stada zu den Vorfällen keinen Kommentar. Der 43-jährige Jurist Wiedenfels war im vergangenen Juni im Vorstand auf den Chefposten gerückt, nachdem der langjährige Stada-Chef Hartmut Retzlaff krankheitsbedingt sein Amt niederlegen musste. Seit dem Amtsantritt von Wiedenfels wurde über einen Verkauf von Stada an

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Die sichere Rendite

In der Werkstatt von Andrea Papst* riecht es nach altem Holz und selbst gekochtem Öllack. Feine Pinsel und Pigmente umringen ihren Arbeitsplatz. Bevorzugt arbeitet die 47-Jährige mit Fichte aus den italienischen Alpen und bosnischem Ahorn. Andrea Papst baut und restauriert Geigen. Ein Beruf, der Musikalität ebenso erfordert wie Handwerksgeschick. Vertiefte Kenntnisse der Weltfinanzmärkte gehören nicht zum Anforderungsprofil. Doch in Andrea Papst steckt auch eine Börsenstrategin. Die Freiberuflerin weiß: Für ihre Altersvorsorge wird sie allein auf ihr Erspartes angewiesen sein. Und das muss ordentlich Rendite bringen. Kurz vor Weihnachten hat Papst alle Aktien und Fonds verkauft. Pragmatisch-hanseatisch hat die gebürtige Hamburgerin Chancen und Risiken abgewogen. Ihr Kalkül: Seit dem Start des rasanten Aufschwungs im März 2009 hat sich der Dax verdreifacht. In den USA sieht es ähnlich aus. Noch mehr mahnt die Dauer der jüngsten Hausse zur Vorsicht: Mit acht Jahren zählt sie zu den längsten

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Die Baustellen des neuen Bahn-Chefs

Richard Lutz will sich bei der Vorstellung der Bilanz des abgelaufenen Geschäftsjahres nicht allein auf die Assistenz seiner Vorstandskollegen Ronald Pofalla und Berthold Huber verlassen. Der frisch inthronisierte Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn präsentiert die Zahlen in einem Berliner Betriebswerk - eingerahmt vom "Paradepferd", dem neuen ICE 4, und dessen zwei Jahrzehnte altem Vorgänger ICE 2. Das Lob bekommen dann aber doch vor allem die menschlichen Begleiter: Infrastrukturchef Pofalla, Transportvorstand Huber und der erkrankte Personalchef Uli Weber. Sie bezeichnet der neue Bahn-Chef als "fantastische Kollegen". Mit ihnen und den 300 000 Mitarbeitern wolle er den "Schwung aus 2016 in das Jahr 2017 tragen". Die Bahn habe die Trendwende geschafft, das Programm "Zukunft Bahn" funktioniere. Der erst am Vortag vom Aufsichtsrat zum Vorstandsvorsitzenden gewählte 52 Jahre alte Betriebswirt Lutz, der seit 2010 das Finanzressort der Bahn leitet, untermauerte seine Zuversicht unter

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Dem Islamischen Staat geht das Geld aus

Die Terror-Organisation Islamischer Staat (IS) bekommt nach Expertenberechnungen inzwischen deutlich weniger Geld. So sind die Einnahmen des IS seit 2014 um über die Hälfte zurückgegangen - von bis zu 1,9 Milliarden auf bis zu 870 Millionen Dollar. Das haben Experten der Unternehmensberatung EY (Ernst & Young) zusammen mit dem International Center for the Study of Radicalisation and Political Violance in einer Studie ermittelt, die dem Handelsblatt vorliegt. Grund dafür seien vor allem die Gebietsverluste der Islamisten im Irak und in Syrien. Nach Niederlagen in mehreren Kämpfen sind die kontrollierten Gebiete immer kleiner und die Terroristen immer weniger geworden. So sanken auch die "Steuern" oder Einnahmen aus der dortigen Ölproduktion. Der Studie zufolge nahm der IS 2016 nur noch 200 bis 400 Millionen Dollar an Steuern ein - ein Jahr zuvor war es noch doppelt so viel. Im Juni 2014 hatte Abu Bakr al-Baghdadi als Anführer des IS in Mossul das Kalifat ausgerufen und sich zum Kalifen

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