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BETRIEBSWIRTSCHAFT
Controlling / Handelsbilanzrecht

DB0462406

Kenn­zah­len­gestütz­te wert­ori­en­tier­te Be­richt­er­stat­tung in den Geschäfts­be­rich­ten deut­scher In­de­x­un­ter­neh­men

Der Beitrag analysiert die Qualität der wertorientierten Berichterstattung börsennotierter Unternehmen anhand eines Scoring-Modells. Zudem untersucht er, ob Zusammenhänge mit verschiedenen Unternehmenscharakteristika bestehen.

Gliederung

I.Einleitung
II.Wertorientierte Kennzahlen
III.Analyse der wertorientierten Berichterstattung von Indexunternehmen
 1.Bisheriger Forschungsstand
 2.Zielsetzung und Vorgehensweise
 3.Scoring-Modell
 4.Deskriptive Ergebnisse
 5.Korrelationsanalysen
IV.Zusammenfassung

Einleitung

Das Zusammenwachsen der internationalen Kapitalmärkte hat zu einem starken Wettbewerb der Unternehmen um Eigenkapital geführt. Dies erhöht die Relevanz von wertorientierter Unternehmensführung, bei der eine Maximierung des Shareholder Value, d. h. des Marktwerts des Eigenkapitals, angestrebt wird. Entscheidend für eine erfolgreiche Shareholder Value-Politik seitens des Managements ist neben der Implementierung eines wertorientierten Unternehmenssteuerungssystems und der Verfügbarkeit von geeigneten Führungsinstrumenten, dass die Wertgenerierung richtig an den Markt kommuniziert wird. Die wertorientierte Berichterstattung wurde als Instrument dieser Kommunikation zwischen Unternehmen und Anteilseignern entwickelt, da die traditionelle Rechnungslegung im Allgemeinen von den Investoren als nicht ausreichend empfunden wird, weil sie zukünftige Änderungen im Wert eines Unternehmens nicht erkennen lässt. Insofern ist eine Einbeziehung von durch Rechnungslegungsnormen möglichst unbeeinflussten finanziellen und nichtfinanziellen Informationen geboten.

Unter der wertorientierten Berichterstattung werden all jene verpflichtenden und freiwilligen Komponenten der externen Berichterstattung verstanden, mit denen Informationsasymmetrien auf dem Kapitalmarkt abgebaut werden sollen, um die Wertlücke zwischen (rechnerischem) Unternehmenswert und Börsenwert zu schließen, den inneren Unternehmenswert zu steigern, die Corporate Governance zu verbessern und damit die Kapitalmarkeffizienz zu steigern. Aufgrund der durch die wertorientierte Berichterstattung gesteigerten Transparenz der Unternehmensentwicklung und der damit einhergehenden Verringerung der Unsicherheit von Prognosen für die Kapitalgeber, sollten diese ihrerseits ihre geforderten Risikoprämien für die Kapitalbereitstellung senken.

Für das berichtende Unternehmen führt die zusätzliche Informationsbereitstellung aufgrund der verbesserten Kapitalmarkterwartungen dann zu einer Reduzierung der Kapitalkosten. Aus der Verringerung der Kapitalkostensätze resultiert eine Steigerung des Unternehmenswerts. Schließlich leitet sich aus der übergeordneten Funktion der wertorientierten Berichterstattung, dem Kapitalmarkt eine Informationsbasis zur Kontrolle der Werterzielung aus externer Sicht bereitzustellen, eine Verbesserung der Corporate Governance ab.

KapGes. und zur Konzernrechnungslegung verpflichtete Konzerne haben nach §§ 289 bzw. 315 HGB einen Lagebericht bzw. einen Konzernlagebericht aufzustellen. Dort sind gem. DRS 15.3 alle Sachverhalte darzustellen und zu analysieren, die aus Sicht der Unternehmensleitung einen wesentlichen Einfluss auf die Höhe des Unternehmenswerts nehmen können. Des Weiteren sind alle zum Berichtszeitpunkt bekannten Ereignisse, Entscheidungen und Faktoren zu kommunizieren, welche die weitere Wertwicklung des Unternehmens wesentlich beeinflussen können (DRS 15.30). Nach DRS 15.38 haben kapitalmarktorientierte Mutterunternehmen das unternehmensintern eingesetzte Steuerungssystem anhand quantitativer Maßstäbe darzustellen und zu erläutern, wobei auch Informationen über die eingesetzten Steuerungskennzahlen zu vermitteln sind. Deren Quantifizierung wird empfohlen (DRS 15.148). Diese Kennzahlen sind als Maßgröße darzustellen und zu erläutern (DRS 15.149) und bei unternehmenswertorientierten Steuerungsgrößen ist insbesondere die Höhe der Kapitalkostensätze anzugeben und ihre Ermittlung darzustellen. Trotz dieser im DRS 15 festzustellenden Hinweise kann nicht auf eine explizite Pflicht zu einer wertorientierten Berichterstattung geschlossen werden, d. h. sie erfolgt letztendlich freiwillig.

Ziel der nachfolgenden Ausführungen ist es zum einen, die Qualität der wertorientierten Berichterstattung von im Prime Standard gelisteten Unternehmen zu beurteilen, und zum anderen zu überprüfen, ob diese von bestimmten Unternehmenseigenschaften abhängt. Dazu werden im folgenden Abschnitt zunächst wertorientierte Kennzahlen vorgestellt. Im dritten Abschnitt erfolgt die empirische Untersuchung, wobei vorab ein Überblick über den bisherigen Forschungsstand vermittelt und die Vorgehensweise vorgestellt wird. Es folgt ein Abriss über das angewandte Bewertungsmodell, ehe deskriptive Befunde und die Ergebnisse von Korrelationsanalysen dokumentiert werden.


Informationen zu den Autoren

Prof. Dr. Reiner Quick ist Inhaber des Lehrstuhls für Rechnungswesen, Wirtschaftsprüfung und Controlling an der Technischen Universität Darmstadt und Teilzeitprofessor an der University of Southern Denmark.


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